Buddhistische Gesellschaft Hamburg e.V.

Über die Liebe

Über die Liebe

Marie Mannschatz

Hände hoch - ruft die Liebe - dies ist ein Überfall, und mit einem scharfen whizzzzz saust Amors Pfeil ins Herz des Opfers, das selig lächelnd zu Boden sinkt und sich widerstandslos ergibt. Träumen Sie auch davon, noch einmal von der Liebe mitgerissen zu werden, so wie damals mit 17 Jahren? Viele möchten der Liebe einfach nur ausgeliefert sein, machtlos vor der Kraft stehen, die das Leben aus den Angeln hebt. Zur Hingabe gezwungen. Von allen Leidenschaften mitgerissen, auf Vernunft und Termine pfeifend, tanzend unterm Regenbogen, nur noch miteinander loslassend - endlich!? Amors Opfer wünschen kein Mitgefühl. Sie möchten hauptsächlich ungestört den Wirkungen des Giftes erliegen. Das Ideal solcher Liebe ist gespickt mit Bildern von Romantik und leidenschaftlicher Intimität. Doch dieses Verständnis von Liebe ist sehr begrenzt, denn die Liebe umfasst viel größere Räume.
Ich schlage Ihnen vor: Löschen Sie die Liebes-Opfer-Phantasien und werden Sie erwachsen, werden Sie ein/e Liebestäter/in. Lassen Sie zu, dass sich Ihr Mitgerissenwerden-Wollen transformiert in einen warmen Ozean von Vorbehaltlosigkeit und Freundlichkeit gegenüber allen Lebewesen. Metta, die Liebe, die der Buddha lehrt, beginnt da, wo der Rausch aufhört. Metta ermuntert uns, die Liebesfähigkeit zu erobern. Mit dieser Meditationspraxis halten Sie den Zauberstab in der Hand, der Ihnen Kraft gibt, den Alltag zu verwandeln. Waren Sie früher einfach nur genervt, finden Sie durch Metta Raum zum Experimentieren. Die Zeiten, in denen wir im Winterregen missmutig den Kragen hochschlagen und aneinander vorbeieilen, verwandeln sich nun in hundert kleine Chancen, im Geiste ein fremdes Herz zu berühren und das Allerbeste zu wünschen. In jeder Begegnung spüren Metta-Übende zum Herzen hin und fragen, ohne jegliche Selbstbewertung: öffnet es sich, verschließt es sich, sind wir respektvoll? Der erste Gedanke beim Aufwachen und der letzte beim Einschlafen möchte in Metta getaucht sein. Wir warten nicht mehr auf ein Gefühl, das uns mitreißt, sondern erwecken eine Haltung, die begeistert. Wir werden zu Aktivisten der Liebe. „Verändere die Welt, sie braucht es,“ hat Bertolt Brecht gesagt. Und Bell Hooks: „Wir brauchen Klarheit darüber, dass Liebe für unsere Gesellschaft ebenso wichtig ist wie erfolgreiche Arbeit.“ Zögern Sie nicht. Jeder Moment von Achtsamkeit zählt. Jeder Metta-Samen, den wir ausstreuen, ist ein Fünkchen Licht und Lebendigkeit, das wir ins Universum hinaus schleudern und das vielfältig strahlend unser Leben erhellt. Wie sollte die Welt weiter bestehen, wenn wir nicht große Liebende werden?

„Gerade so wie ein Wissenschaftler Wunder verrichten kann durch verschiedene Anwendungen der Naturgesetze, kann jemand, der das Gesetz der Liebe mit wissenschaftlicher Präzision anwendet, noch größere Wunder verrichten. Das Gesetz der Liebe wird wirken, genau wie das Gesetz der Gravitation wirken wird, ob wir es annehmen oder nicht. Je mehr ich mit diesem Gesetz wirke, desto mehr empfinde ich Entzücken im Leben, im Plan dieses Universums. Es gibt mir einen Frieden und eine Einsicht in die Mysterien der Natur, die ich nicht beschreiben kann.“ Gandhi

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Ursache und Wirkung“)

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