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BGH bei Matthiae-Mahlzeit 2007 vertreten
Die Matthiae-Mahlzeit in Hamburg ist das älteste noch begangene Festmahl der Welt: Seit 1365 wird es gefeiert, „wenn die Zeitläufe es erlaubten“, wie es in der Chronik heißt. Der Matthias-Tag (24. Februar) galt im Mittelalter als Frühlingsbeginn und Termin für den Dienstbotenwechsel. Man stellte an diesem Tag außerdem Wetterregeln auf und führte Orakelhandlungen durch. Zu Matthiae wurden damals auch die Aufgaben im Senat neu verteilt und neue Bürgermeister aus der Reihe der Senatoren gewählt. Seit alters her ist es Brauch des Senats, jeweils zu dieser "Senatsumsetzung" "auf des Rates Tische vor den fremden Ministern ein Messer aufzudecken". Das heißt, den "Vertretern der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte" wurde als Besteck ein Messer gegeben – zu einer Zeit, in der man mit den Fingern aß. Regelmäßig wurde im 18. Jahrhundert für die Matthiae-Mahlzeit komponiert. So 1724 von Georg Philipp Telemann eine Tafelmusik, die – neben anderen Musikstücken – bei jeder Matthiae-Mahlzeit erklingt. Traditionsgemäß wird zur Matthiae-Mahlzeit auch der "Silberschatz" des Rathauses geöffnet. Tafelaufsätze, Pokale und Schalen aus Silber, die von Senatoren und deren Familien sowie von Vertretern der "Hamburg freundlich gesonnenen Mächte" gestiftet wurden sowie Geschenke von Staatsgästen schmücken die festlich gedeckten Tische. Das wohl prunkvollste Stück dieses Silberschatzes ist der Pokal, den König Edward VII. von England nach seinem Besuch im Rathaus im Jahre 1904 überreichen ließ und der beim Matthiae-Mahl seinen Platz in der Mitte des Tisches für die Ehrengäste hat. Beim Matthiae-Mahl kommt auch die lange Tradition des Hamburger Protokolls zum Ausdruck. Die protokollarischen Regeln gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück und wurden 1538 in eine feste Form gebracht. Eine der bis heute geltenden Besonderheiten dieses Protokolls: Hamburger Bürgermeister erwarten die Ehrengäste auf dem oberen Absatz der Senatstreppe. Ursprung dieser Tradition: Der Bürgermeister sollte nicht in die Verlegenheit kommen, einem zu Pferde angereisten Staatsgast beim Absitzen die Steigbügel halten zu müssen. Da das Anreisen per Pferd heute aus der Mode ist, ist diese Gefahr allerdings gebannt. Aber noch heute gilt: Erst wenn alle Gäste ihren Platz eingenommen haben, betritt der Bürgermeister mit seinen Ehrengästen und den Ehrenbürgern der Stadt den Saal. Hat der regierende Bürgermeister sein Essen beendet, müssen sich alle Gäste erheben und auch ihre Mahlzeit abschließen. Und es gibt immer noch sowohl einen internationalen als auch einen nationalen Ehrengast. In diesem Jahr geriet die Matthiae-Mahlzeit, die am 23. Februar stattfand, mehr denn je in den Fokus der Medien, hatte doch der internationale Ehrengast, der italienische Ministerpräsident Romano Prodi, kurzfristig abgesagt. „651 Festmahle und jetzt die erste Absage“ titulierte das „Hamburger Abendblatt“. Eine Regierungskrise in Italien machte Prodi in Rom unabkömmlich, so die offizielle Version. Doch er wäre trotzdem gekommen, aber unter seinen Bedingungen: Keine Presse, kein Fernsehen. Da die Matthiae-Mahlzeit aber das Hamburger Medienspektakel des Jahres ist, konnte diesem Wunsch nicht stattgegeben werden – und Prodi blieb in Rom. Als Vertretung war der italienische Botschafter in Deutschland, Antonio Puri Purini, anwesend. Allein seine Präsenz – trotz allen Bedauerns über das Fehlen Prodis – war für mich als Italianistin von persönlicher Wichtigkeit Unter dem Motto „Dialog der Religionen“ stand die diesjährige Matthiae-Mahlzeit. Deshalb war Bischof Dr. Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der nationale Ehrengast 2007. Vertreter der verschiedensten religiösen Vereinigungen der Stadt waren geladen: Evangelen, Katholiken, Methodisten, Aramäer, Moslems, Juden, Hinduisten, um nur einige Beispiele zu nennen. Für den Buddhismus waren Geshe Pema Samten und Oliver Petersen vom Tibetischen Zentrum der Hansestadt geladen, sowie ich, als 1. Vorsitzende der BGH. So strebte ich in „festlicher Abendgarderobe“, wie es auf der Einladung der Senatskanzlei stand, am Abend des 23. Februar 2007 dem hell erleuchteten Hamburger Rathaus zu, beschritt den Roten Teppich, flankiert von etlichen, historisch gekleideten Ratsdienerinnen und -dienern. Auf dem Rathauspiegel ein Blitzlichtgewitter – das aber nicht mir galt, sondern Geshe Pema Samten, der in seinem Mönchsgewand selbstverständlich für Aufsehen bei der fotografierenden Zunft sorgte. Dann ein Empfang mit Sekt, Orangensaft und Wasser im Vorraum zum großen Festsaal des Rathauses. Hier konnte ich ein sehr anregendes und sicherlich auch für die Zukunft nützliches Gespräch mit dem Geshe und Oliver Petersen vom Tibetischen Zentrum Hamburgs führen, an dem auch kurz die evangelische Bischöfin Maria Jepsen beteiligt war. Dann öffneten sich die Türen zum Großen Festsaal des Hamburger Rathauses, in dem uns, die ca. 400 geladenen Gäste, die in den italienischen Nationalfarben geschmückten Tische erwarteten. Ich hatte die große Ehre, sehr weit vorn, in direkter Nähe des Haupttisches, an dem u. a. der Erste Bürgermeister Ole von Beust, Bischof Huber samt Gattin, der italienische Botschafter, die Hamburger Ehrenbürger Prof. Dr. Hannelore Greve und Gatte und auch Uwe Seeler saßen. Meine Tischherren waren der Landesvorsitzende der CDU, Dirk Fischer, und Herr Jakobson, der Leiter der Dänischen Kirche in Hamburg. Mir gegenüber saßen Oliver Petersen und der Geshe, sowie Udo Nagel und Altbürgermeister Klaus von Dohnany. So ergaben sich für mich interessante Gespräche sowohl religiöser als politischer Art, von denen ich hoffe, dass sie der BGH dienlich sein werden. In seiner Eröffnungsrede hob Ole von Beust zunächst die lange Präsenz der Italiener in der Hansestadt hervor: Erster Italiener soll der abgesetzte Papst Benedikt V. gewesen sein, der 964 an die Elbe verbannt wurde und hier nur zwei Jahre später, nicht an die niedrigen Temperaturen und die Feuchtigkeit gewöhnt, verstarb. „Ungefähr dort, wo dereinst die frühe Siedlung Hamburg lag, steht heute dieses schöne, warme und trockene Rathaus. Und so hoffen wir, verehrter Herr Botschafter, dass Sie sich bei uns in der Hansestadt wohler fühlen, als ihr Landsmann vor mehr als 1000 Jahren“, sprach der Bürgermeister und rief mit seinen Worten Heiterkeit und Beifall hervor. Doch er sprach auch ernsthaft über die Religionen: „Europa will Glauben ermöglichen und Toleranz garantieren. Europa kehrt wieder zum Glauben zurück. Und der Dialog der Religionen kann uns dabei helfen, Europa einen neuen Sinn zu geben. Denn wer im Glauben zu sich selbst findet, kann auch auf andere zugehen. Glaubensgewissheit und Respekt müssen sich in Zeiten weltanschaulicher Vielfalt nicht ausschließen“, und begrüßte die anwesenden Religionsvertreter und -vertreterinnen ausdrücklich. Bischof Huber verwies ausdrücklich auf die Ringparabel Lessings, ermahnte aber auch: „Religion vermag Frieden und Gerechtigkeit zu fördern; aber sie kann auch für Hass und Gewalt benutzt werden… Deshalb ist dir Frage nach Frieden und Toleranz zwischen den Religionen auch noch nicht mit der Ausrufung eines ‚Projekts Weltethos’ beantwortet; die Antwort kündigt sich vielmehr erst dann an, wenn die Religionen ihre Differenzen im Glaubensverständnis in einer Weise austragen können, die den Frieden nicht gefährdet, sondern stärkt“. Wir können dem Hamburger Senat und dem Einsatz von Bischöfin Jepsen dankbar dafür sein, dass alle Hamburger Religionsgemeinschaften und damit auch die BGH, als die älteste Buddhistische Gemeinde der Hansestadt, an diesem, seit vielen Jahrhunderten gefeierten Gastmahl teilnehmen durften. .
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