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Der Juzu, die buddhistische Rezitationskette
Myoshin-Friedrich Fenzl
Eines der wichtigsten Utensilien im buddhistischen Ritual ist die Rezitationskette. Volkstümliche Bezeichnungen für sie sind Mala (im indisch-tibetischen Raum) und Juzu (ausgesprochen: dschußu, in Japan). Sie ist nur im nördlichen Mahayana-Buddhismus (China, Japan, Korea, Tibet und Mongolei) gebräuchlich; Buddhisten im südlichen oder Theravada-Buddhismus benutzen sie gewöhnlich nicht. Es gibt jedoch Theravadamönche, die, um ihre „ökumenische“ Verbundenheit mit dem Mahayana-Buddhismus zu demonstrieren, einen Juzu tragen. Im Jodo-Shin-Buddhismus ist der Juzu neben der Stola (Kesa) das wichtigste persönliche Requisit. Ein formaler Juzu besteht aus zwei Elternperlen und 108 Kinderperlen, die von einer starken Schnur zusammengehalten werden.An einer der Elternperlen ist eine Troddel oder Quaste befestigt, und an der zweiten befinden sich zwanzig kleinere Perlen, die als Jünger oder Schüler bezeichnet werden, sowie zwei eiförmige Perlen. Neben dem formalen oder großen Juzu gibt es kleinere Juzus mit 54 oder 27 Perlen, die im täglichen Gebrauch besser in der Tasche zu befördern sind. Korrekt wird der Juzu am linken Handgelenk getragen, in einigen buddhistischen Gemeinschaften wird der große Juzu aber auch um den Hals gehängt.
Warum 108 Perlen? Die Zahl 108 ist eine heilige Zahl im Buddhismus. Wir sprechen von 108 Meditationen, 108 Gefühlen, 108 Leidenschaften etc. Und die heilige Schrift des tibetischen Buddhismus, der Kanjur, umfasst 108 Bände. Nach der buddhistischen Lehre hat der Mensch sechs Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Fühlen (Tasten), Schmecken und – neben diesen auch im Westen geläufigen Sinnen – auch Denken. Jeder dieser sechs Sinne kann mit angenehmen, unangenehmen oder neutralen Gefühlen verbunden sein. Dreimal sechs macht 18. Jedes dieser 18 Gefühle kann anhaften oder nicht anhaften und manifestiert sich in drei Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zweimal 18 macht 36 und dreimal 36 macht 108. So kommt die Zahl 108 zustande.
Die Geschichte des Juzu Die Heimat des Juzu ist Indien, wo man schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt Gebetsschnüre zum Zählen von Gebeten, Mantras und magischen Anrufungen verwendete. Von Indien aus wanderte der Juzu in den Westen, wo er in den Islam und das römisch-katholische Christentum Eingang fand, und in den Osten und Norden, wo er im Buddhismus Ost- und Zentralasiens verwendet wird. Der islamische Rosenkranz hat übrigens 99 Perlen, die die 99 Eigenschaften Allahs symbolisieren. Auch im Hinduismus ist die Gebetsschnur weit verbreitet. Der erste Hinweis auf den Juzu in Japan findet sich im Inventarverzeichnis der Tempelschätze des Horyuji-Tempels in Nara aus dem Jahr 747 n. Chr. Er war aus Sandelholz. Der Juzu dürfte zwischen 729 und 766 in Japan eingeführt worden sein, wurde zunächst aber nicht als religiöser Gebrauchsgegenstand betrachtet, sondern als wertvolles und seltenes Schmuckstück. Auch zum Zählen großer Zahlen wurden diese frühen Juzus verwendet. Im tibetischen Buddhismus (Lamaismus) wurden Juzus (hier Malas genannt) auch aus menschlichen Knochen angefertigt, wogegen dieser Brauch in Japan äußerst selten war. Die seltenen dort vorhandenen Exemplare scheinen aus China importiert worden zu sein. Der größte Juzu der Welt befindet sich im Chion-ji, einem Tempel der Jodo-Schule in Kyoto/Japan. Sein Umfang beträgt 120 m, sein Gewicht ca. 1,4 t, und er hat 1.008 Perlen. In alten Zeiten versammelten sich zehn Personen um ihn und drehten den Giganten 100 Mal um, wobei sie das Nembutsu rezitierten.
Wie man den Jutsu verwendet Der Juzu wird in den verschiedenen buddhistischen Traditionen und Schulen unterschiedlich verwendet. In manchen Schulen werden Gebete und/oder Mantras mit ihm gezählt, in anderen wird er zwischen den Fingern gerieben, um Buddhas oder Götter auf sich aufmerksam zu machen. Im Jodo-Shin-Buddhismus werden die gefalteten Hände in Gesichtshöhe gehalten, wobei der Juzu in der Beuge zwischen Daumen und den anderen Fingern hängt, mit nach unten zeigendem Troddel. So wird Nembutsu gesprochen und Gassho (Dankbarkeit) ausgedrückt.
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